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Wir bauen Hochbeete für Kindertageseinrichtungen in Oberhausen

ein Artikel von Rebecca Kien und Sarah Walpuski aus der Klasse SP62 der Fachschule des Sozialwesens, Fachrichtung Sozialpädagogik

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Kinder brauchen Naturerfahrungen

Was versteht man unter Lichtblühern? Woraus wird Kompost zusammengesetzt? Wie schütze ich die Pflanzen vor Schädlingen? Und wie kann man den Kindern die Natur und den Umweltschutz ein Stück näher bringen? Es gab viele Fragen, mit denen wir Studierenden uns im Voraus befassen mussten. Im Rahmen unserer Erzieherausbildung setzten wir uns damit auseinander, Kinder ganz praktisch für den achtsamen Umgang mit der Natur zu begeistern.

Hier konnten wir zum Einen unser Fachwissen erweitern, indem wir uns oft in kleinen Gruppen zusammenfanden, um Themenreihen wie „Kinder brauchen kleine Tiere“ durchzuführen, wozu Recherchen geführt wurden, um den Kindern eine anschauliche und verständliche Darstellung zur Verfügung zu stellen um einen Entwicklungsprozess der Lebewesen zu verdeutlichen. Das „Hochbeet – Projekt“ gab dabei viele weitere Möglichkeiten für alle Beteiligten, denn in den Phasen der Befüllung und der Bepflanzung machten sie gemeinsam neue Naturerfahrungen, indem alle Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken) beim Prozess angesprochen wurden und noch werden, damit ist das Schmecken gemeint. Die Kinder befüllten das Beet mit Kompost allein mit ihren Händen. Dabei fand Kind einen Regenwurm und sagte: „So glitschig! Ein Regenwurm!“ Die Kinder lernten, dass sie keinen Ekel davor haben müssen und zeigten sehr viel Interesse. Nebenbei lernten die Kinder außerdem einen achtsamen Umgang mit den heimischen Lebewesen, dass dieser Raum für ihre Existenz wichtig ist und dass sowohl Menschen, Tiere und Pflanzen aufeinander angewiesen sind. Um alle drei Lebensbereiche aufrecht zu erhalten, muss erkannt werden, dass unser Handeln Auswirkungen auf andere Menschen und die Umwelt haben kann. Da die Umwelt uns so viel zum Entdecken bietet, zum Erhalt unserer Existenz dient und alle Menschen eine gesunde Neugierde in sich tragen, wollten wir Studierenden den Kindern durch das Projekt Impulse geben, um einen anderen Blick auf die alltäglichen Begebenheiten zu bekommen. Daraus entwickelte sich das Hochbeet-Projekt.

Projektverlauf
Mithilfe unserer Fachlehrerin Frau Marianne Schäfer-Obendiek schlossen wir Kooperationen zu den Kindertageseinrichtungen Biefang, Vennepoth und Rechenacker, die von der Idee, ein Hochbeet in ihrer Einrichtung zu haben, begeistert waren. Unsere Klasse bekam einen Workshop in Sachen Handwerk von Peter Janßen und seinen Mitarbeitern der Ruhrwerkstatt, die auch für Hochbeete im Oberhausener Antonypark verantwortlich sind. Drei individuelle Hochbeete wurden hergestellt, zu den Einrichtungen transportiert und mit den Kindern gemeinsam befüllt und bepflanzt. Den Kindern wurde viel Freiraum gelassen. Sie entschieden sich unter Anderem dafür, Gemüsesorten wie Erbsen, Möhren und Salate, aber auch verschiedene Kräuter anzupflanzen. Im Prozess machten die Kinder ganzheitliche Naturerfahrungen und bekamen ein Verständnis für ökologische Werte. Zum „Hochbeet-Projekt“ fand Frau Laws, Leiterin der Kindertageseinrichtung und Familienzentrum Rechenacker, folgende Worte: „Ich bin wirklich begeistert, wie engagiert und flexibel sich die jungen Menschen an dieses Projekt gemacht haben. Wir wollten schon lange ein Hochbeet haben. Durch die Initiative der Fachschule haben wir endlich eines. Das bietet unseren Kindern viele neue Erfahrungen.“

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Zum Verständnis eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Aspekten, welche die Studierenden mit ihren Projekten bzw. Angeboten in dem Ökologischen Bereich vermitteln möchten sind:

  • Wissen, erforschen, explorieren,
  • Respekt vor den Lebewesen und der Natur – Naturschutz,
  • Überwindung von ekeligen Abneigung – Emotionalität,
  • Verantwortungsübernahme, Pflege, Fürsorge,
  • Erfassen des Lebenszyklus’ (säen, keimen, gebären, wachsen), Beständigkeit.
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Feldarbeit der Klasse SP62 mit dem Vertiefungsbereich „Ökologie“
Wie im Jahr zuvor, planten die Studierenden gemeinsam auch in diesem Frühjahr auf der bereitgestellten Feldfläche des Bauern einen kleinen Garten mit vielen Pflanzen einzurichten. Im Voraus machten sie sich gemeinsam Gedanken um die Einteilung, sowie die Pflanzen, die sie gerne dort einsetzten möchten. Ihre Entscheidung der Pflanzen fiel auf Möhren, Erbsen, Kartoffeln, Tagetes Blumen, Radieschen, Kohlrabi, Zucchini, Hokkaido Kürbisse, Porree, Zwiebeln, Salat, Kräuter, Spinat, Bohnen, Rotkohl, Rote Bete, Ringelblumen, Färberkrapp und Färberkamille. Schon in der darauffolgenden Woche setzte die Klasse ihren Plan in die Tat um. Mit Schnüren, die an Stöcke gespannt wurden, teilte die erste Gruppe das Feld ein. Dazu benutzten sie verschiedenfarbige Schnüre, um eine Struktur zu erhalten: Einen roten Faden, der die Abgrenzungen zu den eingeteilten Grundflächen aufzeigt. Die restlichen gespannten Fäden nahmen sie zur Begrenzung, damit die nächsten zwei Gruppen einen Anhaltspunkt bekommen, in der sie die ausgewählten Pflanzen reihenweise einsetzten. Damit die Studierenden erkennen, was dort eingepflanzt wurde, wurden zusätzlich selbstgemachte Holzschilder mit Beschriftung in den Wegrand gesteckt. In diesem Jahr pflanzten die zweite und dritte Gruppe der Klasse die ausgewählten Pflanzen zusammen mit einer Kindergartengruppe. Dies sprach Frau Marianne Schäfer-Obendiek, die Fachlehrerin der Studierenden, im Vorfeld mit der Einrichtung ab. Bis zum Herbst haben einzelne Kleingruppen von zwei bis drei Studierenden jede Woche die Verantwortung, sich um die Pflege (Unkraut jäten & Gießen) der Pflanzen auf dem Feld zu kümmern. Bis sie im September wieder gemeinsam die Pflanzen abernten, wurden neue Workshops entwickelt. Zum Verständnis ein paar Beispiele, aus dem vorherigen Jahr: Im ersten Workshop kochten die Studierenden gemeinsam gesund. Aus den Kartoffeln und Hokkaido Kürbissen, sowie Kräutern wurden Suppen zubereitet. An einem anderen Tag wurden weiße Stoffstücke mit Zwiebeln, Rotkohl, Krappwurzel etc. gefärbt, sodass sie ein farbenfrohes Ergebnis erhielten. Hierbei explorierten die Studierenden mit zusätzlichen Haushaltsmaterialien wie Waschpulver, Essig und Zitronensäure. Danach kochten sie die jeweilige Pflanze im Wasser, um das Basis-Farbwasser der jeweiligen Pflanze zu gewinnen. Im Nachhinein wurden die Haushaltsmaterialien in einzelnen Schüsseln dazu zu geben. An dieser Stelle wollten alle erfahren, ob sie verschiedene Farbergebnisse erhalten. Ihr Ergebnis nach dem Experimentieren, belief sich darauf, dass sich die Farbintensität und zum Teil sogar die Farbfamilie durch die Zugabe der weiteren Haushaltsmittel veränderte.

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