Käthe Kollwitz

Was hat diese Frau, geboren 1867 in Königsberg, einer berufsbildenden Schule in der heutigen Zeit mehr zu bieten als nur einen klangvollen Namen? 

Wer war Käthe Kollwitz, dass sie es verdient, dass nach ihr eine Schule benannt wird?
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Ist es zeitgemäß, eine Frau wie Käthe Kollwitz als erstrebenswertes Ideal, als Verkörperung von sozialem Engagement den heutigen Jugendlichen und Erwachsenen anzubieten?

Eins sei vorausgeschickt:
Erwachsene und im besonderen Maße Pädagogen neigen dazu, Jugendliche in einer Hinsicht zu unterschätzen, die ihnen wichtiger ist, als man es einsehen will oder kann: Kompromisslosen Einsatz für das, was als wahr und erstrebenswert erkannt wurde, den manchmal ungebärdigen Willen, Dinge in die Hand zu nehmen und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, wirksam zu sein bei der Gestaltung der eigenen Lebensperspektive, die Fähigkeit und Bereitschaft zur „Passion“ in ihrem ursprünglichen, gefühlsmäßigen Sinn.

Das Recht der Jugend auf den manchmal anmaßend erscheinenden Anspruch, es besser zu machen als die „Alten“, die Welt voran zu bringen, ein Stück wahrhaftiger, lebenswerter zu machen, und ganz besonders das Recht, sich dabei für eine bestimmte Seite zu engagieren, Parteilichkeit also, wurde und wird von jeder Generation eingefordert. Das passiert je nach Zeitgeist und historischer Situation mehr oder minder spektakulär, momentan eher leise.

Dieser Drang blitzt natürlich auch im schulischen Alltag immer wieder auf, mal fruchtbar für den angebotenen Unterricht, mal als Begleiterscheinung, manchmal aber auch als „Störfaktor“.

Was bietet die Biografie von Käthe Kollwitz den heutigen Jugendlichen, was kann Käthe Kollwitz interessant machen für eine Auseinandersetzung mit jungen Menschen, die noch von „Passion“ vorangetrieben werden?

„Ich will wirken in dieser Zeit, in der Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“ Mit diesem Satz macht Käthe Kollwitz deutlich, dass Kunst, ihre Kunst, nicht um ihrer selbst willen erschaffen werden soll, sondern einen Zweck haben muss. Sie hat in ihrer Kunst immer ihre Parteilichkeit für das Proletariat des ausgehenden 18. Jahrhunderts zum Ausdruck gebracht. Obwohl selbst ein Kind des Bürgertums, hat sie sich in ihrem Schaffen auf die Seite der Menschen gestellt, „ratlos und hilfsbedürftig“ waren, die Anteilnahme und Unterstützung benötigten.

Schule soll den Jugendlichen helfen, dem Drang nach Weltverbesserung Gestalt zu geben und Ausdruck zu ermöglichen.

Ein hehres Ziel!

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Wenn bisher der Eindruck der Heroisierung entstanden sein sollte, so muss natürlich betont werden, dass die Persönlichkeit von Käthe Kollwitz wesentlich vielschichtiger war. Ständig wurde sie in Dienst genommen, zuerst von ihrer Mitwelt. Und wenn man von ihrer Familie und den Freunden absieht, so war es gerade ihre starke sozial und politisch geprägte Motivation, die sie offen machte für Ansprüche von allen Seiten. Ihre Dienstbarkeit fasst: sie selbst in das Bekenntnis „Jeder arbeitet, wie er kann. Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zweck hat.“

Schwermut ist die tiefe Erfahrung der Vierzigjährigen. Sie wird von Unsicherheiten und Depressionen heimgesucht: „Werde ich wirklich alt? … Schlimm ist es, dass ich manchmal an meine Arbeiten nicht mehr glaube. Früher sah ich nicht zur Seite, jetzt fühle ich mich angreifbar, bin manchmal verzagt.“

Lebenserfahrung sei die Summe aller erlebten Enttäuschungen, so heißt es. Auch wenn diese Frau im Laufe der Jahre grüblerischer und verzagter wurde, so hat sie mit ihrem Leben doch eines bewiesen:
Es gibt den Drang im Menschen, ganz besonders im jungen Menschen, mit Engagement für eine als gut befundene Sache der Welt entgegen zu treten. Diesem Anliegen ist Raum zu geben. Es ist gegebenenfalls zu wecken und zu fördern. Auch und besonders dann, wenn das Leben nicht immer gut zu dem Menschen sein sollte. Ohne das Gefühl, wirksam sein zu wollen und zu können, würde im Leben eine wichtige Dimension zu kurz kommen.

An dieser Stelle sei eindringlich an den Bildungsauftrag der Schule erinnert! kaethekollwitz_clip_image005